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Krähende Hähne

Ein Zuchtfreund aus dem nördlichen Saarland wurde gegen Ende 1999 von seiner Nachbarin verklagt, „geeignete Maßnahmen dafür zu treffen, dass von den auf seinem Grundstück gehaltenen Hähnen keine unzumutbare Lärmbelästigung ausgeht."

In der Klageschrift wurde ausgeführt, dass der Züchter, der seit 40 Jahren Hühner züchtet und vor einigen Jahren aufs Land gezogen ist, um dort in Ruhe seinem Hobby nachzugehen, in einer Entfernung von 50-60 Metern von dem klägerischen Anwesen in einem eingezäunten Verschlag mindestens 5 Hähne halte. Seit etwa 2-3 Wochen würden die Hähne in der Zeit zwischen 8:00 Uhr morgens und dem Einbruch der Dunkelheit ca. alle 30 Minuten jeweils mehrere Minuten andauernd derart laut „schreien", dass sich durch dieses „Geschrei" die Nachbarschaft und insbesondere die Klägerin permanent gestört würde.

Bezeugen sollten dies der Ehemann der Klägerin und zwei Ortsfremde. Die Klägerin führte weiter aus, dass es sich um ein Wohngebiet handeln würde, in dem es keinerlei landwirtschaftliche Betriebe gäbe und dass das „Schreien" der Hähne völlig unnormal sei.

Neben dem Zivilverfahren wurde auf ein Schreiben der Klägerin hin ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen unzulässiger Lärmerregung von dem zuständigen Landkreis eingeleitet.

Der beklagte Züchter sammelte daraufhin in der Nachbarschaft Unterschriften und musste feststellen, dass sich kein weiterer Nachbar von seinen Hühnern belästigt fühlte. Das Ordnungswidrigkeitserfahren wurde daraufhin nach einem entsprechenden Schreiben, in dem unter anderem darauf hingewiesen wurde, dass die Verwaltungsbehörde hier zur Durchsetzung privater Interessen missbraucht werde, eingestellt.

In dem Klageverfahren fand eine Ortsbesichtigung von über einer Stunde statt. Während dieser Zeit krähte kein einziger Hahn des Züchters. Das Gericht musste jedoch feststellen, dass in einer Entfernung von nur 30 Metern neben dem Haus der Klägerin ein weiterer Nachbar Hühner und Schafe hielt. Diese Tiere störten die Klägerin jedoch angeblich nicht.

In der sich anschließenden mündlichen Verhandlung im Wohnzimmer der Klägerin wollte der Ehemann und Hauptzeuge der Klägerin zunächst einen vorbereiteten Videofilm vorführen, was jedoch aus verfahrensrechtlichen Gründen zu Recht vom Gericht untersagt wurde. Daraufhin teilte der Ehemann mit, dass er sich besonders von einem Hahn, den er am Krähen erkennen würde, gestört fühle.

Auf Vorschlag des beklagten Züchters vereinbarten die Parteien daraufhin, den Rechtsstreit dadurch zu beenden, dass „der Hahn, der Rädelsführer ist und am lautesten kräht", durch den Beklagten bis zum 01.03.2000 geschlachtet wird.

Welcher Hahn dies ist, sollte der Beklagte entscheiden. Durch diesen Vergleich konnte der Rechtsstreit schnell und ohne Auflagen für den Züchter beendet werden, der künftig hoffentlich ungestört von seinen Nachbarn seinem Hobby nachgehen wird.
Der Rheinländerhahn wurde nach dem Bekanntwerden der Vergleiches durch eine Aktion der Saarbrücker Zeitung vor dem Schlachten „gerettet".

(Der Hühnerhof 2000; Geflügelbörse 20/2000)

 

Rechtsanwalt Dr. Christian Halm, Neunkirchen/Saar

RA Dr. Christian Halm, Neunkirchen/Saar
Fachanwalt für Agrarrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
www.agrarjurist.de 

 


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